Erfolgskritisches Web-Design im Intranet

Der folgende Text wurde vom DVForum geschrieben und mir freundlicherweise zur Verfügung gestellt.

Die Diskussionen über grafisches und strukturelles Design von Homepages im Internet wird intensiv und kontrovers geführt. Aus gutem Grund: Jeder, der einen eigenen Web-Server betreibt, lernt mit der Zeit den unmittelbaren Zusammenhang zwischen gutem Web-Design und Besucherzahlen. Dieser Zusammenhang ist sehr direkt und entwickelt sich nicht linear, sondern exponentiell. Von einem Tag auf den anderen quillt die Mailbox über, nachdem zuvor ein bis zwei Feedbacks pro Tag oder gar Woche eintrudelten.

Warum soll für Intranets, also Webserver zur firmeninternen Kommunikation, etwas anderes gelten? Weil Mitarbeiter anspruchsloser sind? Eher das Gegenteil. Eine interne Website soll genauso um die Aufmerksamkeit des Mitarbeiters werben, wie eine externe Website versucht, möglichst viele Besucher anzuziehen. Dabei ist es technisch viel einfacher, interne Seiten grafisch sinnvoll zu gestalten: Der Mitarbeiter greift auf diese Seite nicht mit einem langsamen Modem zu, sondern über das lokale Netzwerk oder über eine Festverbindung. Es werden Millionen ausgegeben, um den beruflichen DV-Anwendern eine grafische Benutzerschnittstelle anstelle eines alphanumerischen Terminals anzubieten. Und was machen sie mit der schönen Oberfläche? Sie lesen alphanumerische Texte damit, während gleichzeitig der öffentliche Web-Server teuer gekauftes Design zur Schau stellt.

Erfolgsfaktoren für ein gelungenes Intranet-Design sind

Identität
Funktionalität
Ästhetik
Produktivität


...wobei die Reihenfolge nichts über die Wertigkeit aussagen soll.
In der Praxis findet man vereinzelt Unternehmen, denen ich hier nichts neues erzählen kann, im Gegenteil. Dies sind häufig Firmen, deren Organisation sich in jüngerer Zeit einem Business Process Reengineering unterzogen hat, und die, zumindest in Ansätzen, virtuelle Strukturen implementieren. Der Außendienst,-Mitarbeiter, der von einem virtuellen Büro aus operiert, die vielen kleinen Niederlassungen, die über den Globus verstreut sind. Wir leben in einer Zeit, in der komplexe wirtschaftliche Zusammenhänge nur noch durch Anleihen bei der Chaosforschung transparent gemacht werden können. Wer Nähe zum Kunden sucht, und daß man das tun soll, wissen wir jetzt auch hier in Deutschland, muß das Chaos in sein Unternehmen holen. Chaos wirkt auf konventionelle Organisationsformen wie schwarze Löcher auf Sterne und Raumschiffe: Sie werden angezogen, verschluckt, und weg sind sie.

In der Virtualisierung, Modularisierung, Auslagerung und Dezentralisierung suchen Unternehmen nach dem Schlüssel für eine totale Anpassung an die chaotisch sich verändernden Wünsche und Bedürfnisse ihrer Kunden. Flexibilität ist angesagt. Womit wir wieder beim Thema sind: Die wichtigste Aufgabe, die dem Rest dessen, was früher eine Konzernleitung war, verbleibt, ist die Funktion eines `Strange Attractor´ , der den Geist des Unternehmens in den Köpfen der weit verstreuten Mitarbeiter weiterleben läßt. Virtualisierte Unternehmensphilosophie sozusagen. Und welches Medium wird diese Botschaft in Zukunft transportieren? Wenn Sie Ihren IT-Budgets etwas gutes tun wollen, dann wird es das Intranet sein. Jagen Sie die nutzlosen DV-Berater zum Teufel, homogenisieren Sie Ihr Unternehmensnetz auf Internet-Standards und holen Sie sich einen kreativen Menschen ins Haus, der Web-Design integriert und Ihre Corporate Identity auf natürliche Weise bis in die verzweigtesten Äderchen Ihrer Organisation transportiert.

Intranet-Design sollte nicht isoliert in ein Projekt gesteckt werden. Wenn bereits ein öffentlicher Web-Server da ist oder für die nächste Zeit geplant, dann wäre es Unsinn, auf zwei getrennten Baustellen zu arbeiten. Des öfteren schon hat mich jemand danach gefragt, ob sein Unternehmen im Internet sei und, wenn ja, welche Informationen auf dem Web-Server angeboten würden. Dies deutet auf Defizite in der Unternehmenskommunikation hin. Zahlreiche Informationen, die auf dem externen Server angeboten werden, sind für die Mitarbeiter genauso interessant und sollten ihnen auch zur Verfügung stehen. Deshalb bietet sich an, Internet- und Intranet-Präsenzen organisatorisch und technisch (unterschiedliche Zugangsberechtigungen) zusammenzuführen. Sicherheit im Internet ist mit den verfügbaren Systemen kein Problem, sondern eine Herausforderung. Doch zu diesem Thema demnächst mehr.



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